Was ich schon immer über ICO´s wissen wollte

Was ich schon immer über ICO´s wissen wollte

  Blog von Alfred Salzmann, 13.11.2017

 

Was ist ein ICO?

Ein ICO (initial coin offering) ist eine nicht den Regulierungsbehörden unterliegende Form des Crowdfunding.

Der Begriff Initial Coin Offering (ICO) orientiert sich an dem englischen Terminus Initial Public Offering (IPO). Darunter versteht man einen Börsengang, bei dem Aktien aus dem Bestand von Altaktionären oder aus einer Kapitalerhöhung auf einem Kapitalmarkt angeboten werden. Während bei einer solchen Erstplatzierung jedoch Firmenanteile verkauft werden, geht es bei einem ICO um den Verkauf sogenannter Tokens.

Diese Tokens könnt ihr euch im Grunde als digitale Coupons vorstellen, deren Funktion je nach ICO variieren kann. Oftmals wird ein großer Teil dieser Tokens für eine bestimmte Zeit gesperrt. Eine zwölfmonatige Sperrfrist wird häufig beobachtet und kann somit als Standard angesehen werden.

Anders als beim Initial Public Offering (IPO) ist der Erwerb von Tokens (oder in einigen Fällen auch Anteilen oder Token-Derivaten) nicht staatlich reguliert.

Die traditionellen Kapitalmärkte unterliegen allerlei Regulierungen, die vor allem dem Schutz der Anleger dienen. Für ICOs hingegen gelten diese Vorgaben nicht. Das wird, abhängig davon, wen man fragt, entweder als Nachteil oder Vorteil angesehen. Fakt ist aber, dass Investoren sehr genau hinschauen sollten, bevor sie in ein ICO Geld stecken.

Frühere ICO´s wurden lediglich zur Finanzierung der Entwicklung neuer Kryptowährungstokens und Blockchains aufgelegt. Moderne ICOs werden jedoch immer ausgeklügelter und differenzierter.

ICOs können als weitaus mehr als eine reine Blockchain-Technologie verstanden werden.

Viele dieser ICO Projekte lassen sich keinem Land mehr zuordnen, da sich Entwickler- oder Marketingteams sich in allen Teilen der Welt befinden können. Eine aufregende Zeit für die FinTech-Industrie, da ein ernstzunehmender globaler Markt ohne Regulierungsbehörden entsteht, in dem es nur auf eine neue Idee und Menschen, die diese Idee umsetzen können, ankommt.

 

Welche Art der Tokens gibt es?

Es gibt zwei Arten von Token.

Der sogenannte Utility Token ist ein Token der tatsächlich im Rahmen des Projektes oder Service eingesetzt wird.

Es werden Token ausgegeben, die Investoren zu Beginn oder vor dem Projektstart erwerben können, meistens mit der Hoffnung, dass diese Tokens in der Zukunft einen höheren Wert besitzen.

Der Token kann zur Nutzung des Projekts eingesetzt werden. Ist das Projekt erfolgreich und bietet den Nutzern einen echten Mehrwert, steigt die Nachfrage und folglich auch der Preis der Token.

Auf der anderen Seite gibt es die Security Token, also jene, die eine Gewinnbeteiligung sicherstellen sollen.

 

Wenn man sich den derzeitigen Markt an ICOs ansieht, so fällt auf, dass oft ein Blockchain-Bezug in den Projekten hergestellt wird. Nicht immer ist dieser aber sinnvoll. Ein Blockchain-Bezug ist nicht unbedingt notwendig, um einen erfolgreichen ICO durchzuführen, denn ein ICO ist eine Finanzierungsmethode mithilfe der Blockchain, die universell für jede Art von Projekten genutzt werden kann.

ICOs vereinfachen den Crowdfunding-Prozess im Allgemeinen, sodass auch Unternehmen mit traditionellen Geschäftsmodellen sie nutzen können. Statt eine Unternehmensanleihe auszugeben oder eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, kann ein Security Token, das entsprechende Rechte verbrieft, eingesetzt werden.

ICOs sollten als eine universelle Finanzierungsmethode verstanden werden und nicht länger als auf die Blockchain-Sphäre beschränkte.

Damit man Token Sales als Finanzierungsmethode im realen Leben einsetzen kann, sollte in Zukunft dennoch ein regulatorischer Rahmen geschaffen werden. Bei ICOs, die Security Token ausgeben und Gewinnanteile verbriefen möchten, ist jedoch eine einheitliche Brücke von der Real- zur Tokenwelt notwendig.

 

Zukunft in Europa, ICO auch als Wertpapier?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt, dass der Erwerb von Coins oder Tokens im Rahmen von ICOs für Anleger erhebliche Risiken birgt. ICOs nennt die Finanzmarktaufsicht in einer am 9. November 2017  veröffentlichten Verbraucherwarnung „höchst spekulative Investments“, bei denen sich Anleger darauf einstellen müssten, dass ein Totalverlust ihrer Investition möglich sei.

Dies ist aber nicht nur bei ICO´s der Fall, sondern auch bei fast jeder Art der Unternehmensfinanzierungen, welche der Regulierungsbehörde unterliegen, der Fall.

Interessant ist, dass die BaFin „unzureichende, unverständliche oder gar irreführende“ Angaben in den ICOs begleitenden Whitepapern und Vertragsbedingungen bemängelt. Verbraucher seien bei der Überprüfung von Identität, Seriosität und Bonität eines Token-Anbieters „auf sich allein gestellt“, nicht zuletzt wegen „fehlender gesetzlicher Vorgaben und Transparenzvorschriften“, ganz anders als bei „regulierten Prospekten“.

Die Frage stellt sich dann jedoch, warum die europäischen Aufsichtsbehörden die gesetzlichen Vorgaben nicht schafft?

Die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) hatte schon im Sommer klar gestellt, dass virtuelle Münzen und Token auch Wertpapiere sein können.

 

Experten zufolge sollten bestimmte Arten von Token dem hiesigen Wertpapierrecht unterfallen.

Ein Beispiel wäre der anstehende ICO von Bitwala, (Der Dienstleister für digitalen Zahlungsverkehr auf der Blockchain will dem Vernehmen nach keine der bisher bei ICOs verbreiteten Utility Token ausgeben. Stattdessen können die Investoren Equity Token erwerben, die eine Kapitalbeteiligung am Unternehmen in Aussicht stellen), oder der gerade in Vorbereitung stehende ICO von Tushek, (der Tushek Token ist sowohl ein Security Token mit Wandlungsrecht in Stammaktien. bzw. in Vorzugsaktien, und ein Utility Token mit Zahlungsfunktion).

Vorabinformationen über den ICO Token von Tushek können bereits per E-Mail angefordert werden.

 

Europa steckt derzeit bei diesen innovativen Finanzierungsmodellen noch in den Kinderschuhen. Ebenfalls in den Kinderschuhen steckt die rechtliche Aufarbeitung dieses neuen Phänomens.

Soweit im Rahmen eines ICOs als Wertpapier qualifizierende Tokens angeboten werden, folgt der ICO dem Haftungsregime von Wertpapieremissionen. In der Regel wird ein sog. Wertpapierprospekt zu veröffentlichen sein, der auch die maßgebliche Haftungsgrundlage für mögliche Investorenklagen darstellt.

Jedoch auch bei ICOs, die außerhalb des Wertpapierregimes strukturiert sind, sollten die ICO-Verantwortlichen bestimmte Grundsätze beachten, um eine Haftung so weit wie möglich zu reduzieren.

Einerseits sollten Haftungsrisiken in Zusammenhang mit dem in der Regel bei einem ICO erstellten und veröffentlichten sogenannten White Paper vermieden werden. Nicht auszuschließen ist, dass Investoren einen Anspruch unter Berufung auf die allgemein-zivilrechtliche Prospekthaftung geltend machen und das White Paper als Prospekt in diesem Sinne verstehen. Mit Blick auf die Auslegung des Prospektbegriffs durch die deutsche Rechtsprechung kann dies nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Danach ist ein Prospekt jede marktbezogene schriftliche Erklärung, die für die Beurteilung der angebotenen Anlage erhebliche Angaben enthält oder den Anschein erweckt, erhebliche Angaben zu enthalten und dabei tatsächlich oder zumindest dem Eindruck nach den Anspruch erhebt, eine die potenziellen Investoren umfassend informierende Beschreibung der Anlage zu sein.

 

In Anbetracht einer potenziellen Haftung im Rahmen der allgemein-zivilrechtlichen Prospekthaftung sollte daher bei der Erstellung des White Papers die notwendige Sorgfalt beachtet werden. Zu weitgehend wäre die Forderung, das White Paper inhaltlich an einem Wertpapierprospekt zu messen. Jedoch sollte das White Paper zur Risikominimierung allgemeinen Grundsätzen folgen. Dazu gehört unter anderem, dass für Investoren wesentliche Informationen in Bezug auf den ICO nicht unrichtig oder unvollständig sein sollten und beispielsweise über Risiken in Zusammenhang mit dem Erwerb der Tokens aufgeklärt wird.

 

Neben Haftungsrisiken in Zusammenhang mit dem White Paper sollte zudem eine direkte Haftung der ICO-Verantwortlichen vermieden werden. Nicht selten kommt dem Team um den ICO-Prozess besondere Bedeutung zu, da dieses für die Umsetzung der hinter dem ICO stehenden Idee verantwortlich ist. Dies ist oftmals deutlich mehr der Fall als bei bereits etablierten Unternehmen im Rahmen eines IPOs. Im Fall von Vorstandsmitgliedern einer Aktiengesellschaft wie auch Geschäftsführern einer GmbH kommt nach ständiger Rechtsprechung eine Haftung des Vertreters der Gesellschaft in Betracht, wenn dieser in besonderer Weise persönliches Vertrauen im Rahmen von Verhandlungen in Anspruch nimmt. Dies gilt insbesondere dann, wenn dieser wirtschaftlich selbst stark an dem Zustandekommen der Transaktion interessiert ist und aus dem Geschäft eigenen Nutzen zieht. Das Vertrauen kann sich auch darin begründen, dass der Vertreter seine persönliche Sachkunde und Zuverlässigkeit in besonderer Weise betont. Daher dürften ICO-Verantwortliche auch gut darin beraten sein, ihre Mitwirkung beim ICO genau zu prüfen, um ein mögliches persönliches Risiko zu vermeiden.

Zusammenfassend sollte ein ICO zur Unternehmensfinanzierung damit nicht als haftungsrechtliche carte blanche begriffen werden. Mit ausreichender Sorgfalt bei der Durchführung eines ICOs können die bestehenden Risiken minimiert werden und stehen einer erfolgreichen Durchführung des ICOs nicht mehr entgegen.

 

Wie kann ich einen ICO bewerten?

Der Unterschied zwischen Preis und Wert

Viele Investoren konzentrieren sich nur auf den schnellen Erfolg – sie kaufen die „heißesten“ ICO und hoffen, sofort mit Gewinn zu verkaufen, sobald der Crowdsale vorbei ist. Per se ist mit diesem Ansatz nichts falsch und einige waren dabei auch sehr erfolgreich. Es ist jedoch viel einfacher und sicherer, Gewinne durch den Kauf und langfristiges Halten zu erzielen. In diesem Fall müssen Anleger klar zwischen dem Preis eines Wertpapiers und seinem Wert unterscheiden können.

Viele Tokens und Währungen sind großartige Projekte mit großem Potenzial. Viele Anleger fangen an, sich damit abzufinden, dass die Tage, an denen ICO-Token für einen raschen Gewinn verkauft werden konnten, vorbei sind. Schnelle Gewinne müssen einem langfristigen Potenzial weichen.

 

Überprüfen des Projektes

Anleger müssen den aktuellen und potenziellen Wert der von ihnen evaluierten Projekte erforschen. Der schnellste Weg, Geld zu verlieren, ist der Kauf eines überteuerten Tokens, der wenig Potenzial und daher einen geringen Wert hat. Auf der anderen Seite haben Investoren mit genügend Weitblick in der Vergangenheit massive Renditen erzielt.

  • Es ist wichtig das Geschäftsmodell eines Projektes zu überprüfen. ICOs bewerten, bedeutet viel Recherche. Bewerten Sie das Projekt.
  • Anleger sollten sich nicht mit einem Projekt zufriedengeben, dessen Wert rein auf Spekulationen beruht.
  • Lassen Sie sich nicht von einem Hype mitreißen. Fragen Sie sich, ob ich einem Hype folge, oder ob ich wirklich unvoreingenommen bin.
  • Konzentrieren Sie sich auf die einzigartigen Eigenschaften eines jeden Projektes.
  • Überprüfen Sie ganz genau, wenn das Projekt nur eine Kopie von einem anderen Projekt ist.
  • Anleger dürfen nicht anderen Anlegern folgen, ohne zu wissen, warum sie ihr Geld in ein Projekt stecken.
  • Jeder Anleger sollte den aktuellen und zukünftigen Wert jedes Projekts, in das er investiert, leidenschaftslos bewerten.
  • Suchen Sie nach dem Alleinstellungsmerkmal des Projektes.
  • Bin ich reiner Spekulant, oder bin ich eher ein Investor.
  • Glaube ich an das Projekt.

 

Viel Erfolg mit ihren ICO´s wünscht Ihnen ihr

Alfred Salzmann

Vermögensberater, Moneycoach und Geschäftsführer von Wirtschaftsberatung Finanzquadrat GmbH

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  1. […] machen ihm jedoch Konkurrenz. Mit IOTA betritt die erste deutsche Kryptowährung den Markt. Der ICO von IOTA war sehr erfolgreich und seitdem hat sich die deutsche virtuelle Währung stark […]

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