Schneeballsystem à la Ponzi, Spekulationsblase oder doch "The Next Big Thing"? 

Zum Thema Kryptowährungen sind derzeit die unterschiedlichsten Ansichten zu lesen. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sich der Kurs der wichtigsten Kryptowährung Bitcoin gegenüber dem US-Dollar seit Jahresbeginn verachtfacht hat. Die Währung des Markt-Zweiten Ethereum hat sich im Vergleich zum Dollar sogar verdreißigfacht. Darauf reagieren manche Beobachter mit absoluter Euphorie, andere mit großer Skepsis.

Der Hype ist umso erstaunlicher, als sich im Krypto-Umfeld in den vergangenen Monaten wahre Dramen abgespielt haben. Dazu gehörten etwa ein Flash-Crash bei Ethereum, der den Wert der digitalen Münzen auf einer Plattform auf zehn Cent einbrechen ließ, oder das Verbot von "Initial Coin Offerings" durch die chinesischen Behörden. Nicht zu vergessen ist auch die ungewöhnlich deutliche und harte Aussage von JP-Morgan-Vorstandschef Jamie Dimon, bei Bitcoin handle es sich schlicht um Betrug.

 

Wie groß ist Bitcoin wirklich?
Tatsächlich herrscht rund um das Thema Kryptowährungen viele Unsicherheit, es gibt jede Menge Desinformation.

  • Welche "Marktkapitalisierung" hat Bitcoin nun wirklich?
  • Was hat es mit dem Glaubenskrieg unter den einzelnen Währungen auf sich?
  • Und was passiert eigentlich mit dem herkömmlichen Geld, das auf Handelsplattformen gegen Kryptowährungen eingetauscht wird?

Der Kryptowährungsexperte Tim Swanson von Post Oak Labs, der ganz nüchtern die Ansicht vertritt, dass es wie "in jeder Branche und jedem Unternehmen auch in der Krypto-Szene gute und schlechte Menschen gibt", hat sich umfangreich mit dem Thema auseinandergesetzt. Swanson hat eine Art Traktat verfasst – sein Titel: "Acht Dinge, die Kryptowährungs-Enthusiasten Ihnen wahrscheinlich nicht erzählen werden."

Wir haben einige Thesen (Wahrheiten) von Swansons aufgegriffen:

 

Virtuelle Banküberfälle und was sie über eine Trading-Plattform aussagen.

Swanson führt beispielhaft für Hacker-Attacken und dafür, was sie für die Depot-Halter bedeuten, die in Hongkong ansässige Bitfinex an, die mehrfach von solchen Angriffen heimgesucht wurde. Zuletzt geschah dies vor etwas mehr als einem Jahr. Bitcoin über einen Wert von damals mehr als 65 Milllionen US-Dollar wurden gestohlen.

Bei einem normalen Banküberfall trägt der Kunde in der Regel keinen Schaden davon . Bei Bitfinex hingegen wurden die Verluste "sozialisiert", wie Swanson schreibt. Das heißt das Minus von die 65 Millionen Dollar wurden auf die Depothalter abgewälzt. Wie genau das geschehen ist, wurde laut Swanson nie kommuniziert.

Ihn wundert nun, wieso es von den Depothaltern, die diesen Haircut über sich ergehen lassen mussten, keinen größeren Aufschrei gegeben hat und weist in diesem Zusammenhang auf die geringe Zahl an steuerlich ausgewiesenen Gewinnen aus Bitcoin-Transaktionen hin.

Auch bei den von Bitfinex emittiereten Token "Tethers" gibt es aus Swansons Sicht Ungereimtheiten. Diese virtuelle Münze ist dem Unternehmen nach eins zu eins durch Dollar gedeckt. Wo sich diese Deckung befindet, ob sie tatsächlich besteht und wie es zur Kursbildung kommt, bleibt unklar.

Tip von Alfred Salzmann: Sichern Sie den Großteil ihrer Kryptowährungen auf ein Hardwarewallet