Aussagen über Bitcoin

Blog von World of money, übernommen von BTC Echo

 

Am 29. Januar veröffentlichte die Deutsche Bank Research ein Paper über sieben Standardaussagen bezüglich Bitcoin und ihre Einordnung und Einschätzung derselben. In diesem Artikel werde ich zuerst die Antworten der Deutschen Bank auf die einzelnen Aussagen zusammenfassen und dann jeweils meine persönliche Meinung aus der Sicht der Österreichischen Schule anmerken.


1 – Bitcoin ist überbewertet.

Deutsche Bank: Für eine „wirkliche“ Bewertung von Bitcoin führt die Deutsche Bank mehrere Komplikationen auf. So sei unklar, ob der Bitcoin als eine Währung, ein Gut oder eine Kapitalanlage einzuordnen ist. Zudem hat der Bitcoin, im Gegensatz zu herkömmlichen Investitionsmöglichkeiten, kein Refinanzierungsbedarf. Er ist dezentral, was ihn robuster gegen Angriffe macht und eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit andeutet. Zuletzt könnte Bitcoin das Bewertungssystem selbst nachhaltig verändern. Doch kommt die Deutsche Bank zu dem Schluss, dass die Bestimmung eines „fairen Preises“ nicht möglich sei.

Österreichische Schule: Wert (ob von Bitcoin oder von allen anderen Gütern der Welt) ist subjektiv. D. h. jeder Mensch hat eine eigene Bewertung eines gegebenen Gutes und diese Bewertung ist rein psychisch und kann nicht in Erfahrung gebracht werden. Alles, was ein Beobachter sieht, sind Marktpreise, die sich als Resultat der verschiedenen subjektiven Bewertungen bilden. Wird ein Bitcoin zum Preis von 10.000 US-Dollar erworben, bewertet der Käufer den Wert der Bitcoin subjektiv höher als den Kaufpreis, der Verkäufer bewertet die 10.000 US-Dollar höher. Wie viel höher die jeweilige Bewertung ist, lässt sich nicht feststellen. Es ist mir daher ein Rätsel was ein „fairer Preis“ überhaupt sein soll. Bewertet ein Käufer einen Preis als „fair“, dann sieht er wahrscheinlich einen höheren Nutzen in dem Gut als in dem Geld, das er dafür aufgibt. Findet er den Preis „unfair“, wird er sein Geld nicht aufgeben. Aber objektive Fairness gibt es hier nicht.

2 – Bitcoin ist eine Konkurrenz zur US-Dollar-Dominanz.

Deutsche Bank: Dass Bitcoin den US-Dollar als Leitwährung in den nächsten Jahren angreift, hält die Deutsche Bank für unwahrscheinlich. Zu viele Fragen seien offen; etwa wie Vergütungen von Arbeitsverträgen bei Kursschwankungen aussehen würden, die Auswirkungen auf staatliche Haushalte und Besteuerung von Bürgern.

Österreichische Schule: Wie die Vergütung von Arbeitnehmern genau aussehen würde, wäre Bitcoin die Leitwährung, ist in der Zukunft und damit ungewiss. Um Kursschwankungen in der Gehaltsauszahlung zu reduzieren, könnte man beispielsweise den Preisdurchschnitt des letzten Monats als Wert nehmen. Die Frage ist ein ökonomisches Kalkül und wird durch das individuelle Handeln aller Akteure in der Wirtschaft beantwortet. Die Auswirkungen einer unabhängigen, deflationären Währung auf staatliche Haushalte wären fatal für letztere. So könnte nicht einfach neues Geld gedruckt werden, um Staatsschulden zu „tilgen“ und der Wert/die Kaufkraft der Schulden würde – Deflation sei Dank – mit der Zeit steigen.

3 – Sobald die Regulierer einschreiten, stirbt Bitcoin.

Deutsche Bank: Regulierungen können den Preis von Bitcoin beeinflussen, allerdings ist Bitcoin als globales Phänomen nicht an eine spezielle juristische Zuständigkeit gebunden. Länder reagieren unterschiedlich auf die Kryptowährung und eine globale Regulierung ist daher nur schwer durchzusetzen. Bitcoin wurde seit 2010 schon über 200-mal für „tot“ erklärt, existiert allerdings nach wie vor. Er lebt also!

Österreichische Schule: Ein signifikanter Mehrwert von Bitcoin ist, dass man es eben nicht abschalten kann. Ein Regulator hat nur einen begrenzten Handlungsspielraum im Kampf gegen Bitcoin. Das Tor, welches Staaten überwachen können, ist das sogenannte „Fiat Gateway“, also der Schritt von Fiat zu Krypto. Zum Beispiel durch die Know-Your-Customer-Politik können Leute vom Kauf von Bitcoin ausgeschlossen werden. Hat man allerdings den Schritt in die Kryptowelt einmal geschafft, gibt es etliche Peer-to-Peer-Lösungen, die von niemandem mehr zensiert werden können. Ein Verbot von Bitcoin würde wahrscheinlich ähnliche Effekte auf den Preis haben wie bei anderen Schwarzmärkte: Das Angebot sinkt, die Nachfrage sinkt verhältnismäßig weniger, ergo steigt der Preis.

4 – Die Bitcoin-Community ist bankenfeindlich.

Deutsche Bank: Die Deutsche Bank erkennt einen bankenfeindlichen Teil in der mittlerweile sehr breiten Bitcoin Community. Allerdings trifft diese Charakterisierung nicht auf alle Bitcoin-Nutzer zu. Bitcoin sei zwar bankenkritisch, allerdings gibt es auch für Banken die Möglichkeit, von dem Grundsatz „banking the unbanked“, beispielsweise durch die Vergabe von Krediten, zu profitieren.

Österreichische Schule: Historisch gesehen war eine Bank nichts anderes als ein Lagerhaus für Gold und Silber. Die Menschen konnten ihr (relativ unpraktisches) Gold in der Bank lagern und erhielten im Gegenzug einen Schuldschein dafür – die Geburt des Papiergeldes. An diesem Mechanismus ist nichts auszusetzen, allerdings richtet sich die Kritik am Bankensystem auf einen anderen Umstand: Seit den 1970er-Jahren gibt es die Verbindung vom Papier-Schuldschein zu Gold nicht mehr! Das momentane Fiat-System ist an keinerleirealen Wert gebunden und verzerrt durch die expansive Geldpolitik der Zentralbanken den Markt. Bitcoin ermöglicht es, ein Gut individuell zu lagern und auszutauschen, nicht nur ein IOU über dieses Gut. Wer mit Bitcoin bezahlt, bezahlt also mit „Goldstücken“ anstatt mit Papierscheinen. Nicht zuletzt muss erwähnt werden, dass Banken nicht immun gegen Bankrott sind, auch Fehler machen können (und 2008 gemacht haben) und Leben ruinieren können, indem sie das Geld anderer verzocken. Die Kritik gegen das zentralisierte Bankensystem ist daher nicht grundlos, wird von der Deutschen Bank aber verschwiegen.

5 – Bitcoin macht den klassischen Zahlungsverkehr obsolet.

Deutsche Bank: Bitcoin ist noch nicht an einem Punkt angelangt, an dem es dem aktuellen Finanzsystem ernsthafte Konkurrenz machen könnte. Gerade die Skalierung macht Bitcoin (aktuell maximal 7 Transaktionen pro Sekunde) zu schaffen. Lösungsansätze wie das Lightning Network werden getestet, sind allerdings noch nicht bereit für die Massen. Die Deutsche Bank sieht Bitcoin daher als ein alternatives Zahlungsmittel mit Vor- und Nachteilen. Banken können in Koexistenz mit Bitcoin leben. Obsolet wird der klassische Zahlungsverkehr dadurch nicht.

Österreichische Schule: Bitcoin ist noch nicht perfekt. Das lässt die Skalierungsdebatte erkennen. Doch auch wenn Bitcoin noch nicht massentauglich ist, sind die Vorteile gegenüber dem momentanen, inflationären Fiatgeldsystem eklatant. Vor allem die Deflation (also das Steigen der Kaufkraft über Zeit) bietet einen sicheren Hafen, um Erspartes aufzubewahren, ohne Wert einzubüßen. Das Halten der eigenen Bestände wird von der Deutschen Bank als Schwäche angesehen, da viele Leute mit dieser Verantwortung nicht umgehen können oder wollen. Allerdings gab es diese Option vor Erfindung von Bitcoin nicht. Welche Währung der Markt als beste, praktischste, effizienteste etc. auswählen wird, wird die Zeit zeigen.

6 – Das Geldangebot von Bitcoin ist fix.

Deutsche Bank: Die finale Geldmenge von Bitcoin ist im Jahre 2040 erreicht. Zudem wäre es ja theoretisch möglich, dass die momentane fixe Geldmenge von 21 Millionen Bitcoin durch den Quellcode geändert werden könnte.

Österreichische Schule: Knappheit von Ressourcen ist ein natürliches Attribut unserer Welt. Auch Gold ist knapp und hat sich unter anderem deshalb als Zahlungsmittel über die Geschichte etabliert. Wie Satoshi Nakamoto in seinem White Paper erklärte, ist die Geldmenge des Bitcoin nach dem Abbau von Gold modelliert (also dass es endlich ist und der Block Reward sich alle vier Jahre halbiert). Das Limit von 21 Millionen Bitcoin wird erst im Jahre 2143 erreicht und nicht schon im Jahr 2040 (vielleicht gab es hier einen Zahlendreher bei der DB). Die limitierte Geldmenge ist eines der fundamentalsten Eigenschaften von Bitcoinund es ist für mich sehr zweifelhaft, dass diese Größe jemals geändert wird. Natürlich lässt sich dank Open Source eine Fork mit doppelter oder gar unendlicher Geldmenge etablieren. Das Problem wird dann sein, erstmal Nutzer zu überzeugen, diese Fork auch tatsächlich zu nutzen. Die Größe der Geldmenge bestimmt das Preisniveau. Der Verlust von einigen Bitcoin ist relativ unproblematisch, denn es führt zu einer Preissteigerung in den übrigen Coins.

Viel problematischer ist die unbegrenzte Macht der Zentralbanken, Geld zu kreieren und das Giralgeld, welches die Geldmenge artifiziell erhöht. Das Resultat ist eine Inflation, der Verfall von Kaufkraft über die Zeit. Gerade arme Menschen sind hiervon stark betroffen, da sie nicht genügend Kapital zur Diversifizierung haben und das Ersparte meist in der Währung selbst halten.

7 – Bitcoin-Transaktionen und Bitcoin-Nutzer sind anonym.

Deutsche Bank: Die Bitcoin-Blockchain ist öffentlich. Viele Börsen fordern wegen der KYC-Politik von ihren Kunden einen Identitätsnachweis. Die Deutsche Bank meint allerdings, dass man mit Bitcoin genauso anonym sein kann wie mit Bargeld.

Österreichische Schule: Bitcoin-Transaktionen sind nicht anonym – sie sind pseudonym. Wer möchte, kann meinen Watch-my-Block-Artikel dazu lesen. Die Deutsche Bank übersieht den Unterschied zwischen Bargeld und Bitcoin, und zwar, dass man beim Betrachten eines Geldscheines nicht die komplette Transaktionshistorie dessen sehen kann. Bei Bitcoin ist dies nicht nur möglich, sondern unumgänglich.

Fazit

Wir sind früh dran. Das sehe ich genauso wie die Deutsche Bank. Allerdings glaube ich, dass der Mehrwert einer unabhängigen, dezentralen, deflationären, digitalen Währung für unsere heutige Welt nicht zu unterschätzen ist. Das Paper der Deutschen Bank finde ich fehlerhaft und einseitig beleuchtet: nämlich aus keynsianischer Sicht auf die Wirtschaft. In der Denke der Österreichischen Schule lässt sich Bitcoin ohne Probleme als vom Markt hervorgebrachtes Zahlungsmittel (Geld) einordnen. Wer sich näher mit der Geschichte von Geld und Staat beschäftigen will, kann sich an erster Stelle an das kostenlos verfügbare Buch von Murray N. Rothbard “Das Schein-Geld-System: Wie der Staat unser Geld zerstört”(englisch) halten.

Ich hoffe Ihr hattet viel Spaß beim lesen.

Euer Moneycoach

Alfred Salzmann

BTC-ECHO

ÜBER ALEXANDER ROOS

Alexander RoosAlexander Roos ist Anfang des Jahres 2018 zum BTC-ECHO Team dazu gestoßen. Er hat einen Bachelor of Science in "Management, Philosophy & Economics" an der Frankfurt School of Finance & Management abgeschlossen und seine Bachelorthese über "Die Anwendungsfelder und Adaption der Blockchain Technologie" geschrieben. In dezentralisierten Kryptowährungen sieht Alex die Neuerfindung des Geldes durch den freien Markt. Sein Fokus liegt auf marktwirtschaftlichen Prinzipien angewendet in Blockchain-Projekten und Privacy-Coins.

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